Hier geht es um die Ballonkrankheit (endolymphatisches Hydrops) an denen einige Zwergkrallenfrösche und Krallenfrösche leider erkranken. Es werden allgemeine Informationen zu der Krankheit, sowie Behandlungsmethoden und Vorsorgemaßnahmen vorgestellt.

Zwergkrallenfrösche

Informationen zur "Ballonkrankheit" (Hydrops) bei Zwergkrallenfröschen (und anderen Amphibien)

alle Inhalte wie Text und Bildmaterial unterliegen (c) Zwergkrallenfroesche.de

 

    Inhalt:
   1.
Allgemeine Informationen zum Krankheitsbild
   2.
Behandlung mittels Ringers Lösung
   3. Behandlung mittels Punktion
   4. Ist eine Punktion überhaupt sinnvoll?
   5. Mögliche Ursachen und Prävention
   6. Informationen zu Fütterung und Stoffwechsel mit Ca:P-Tabelle

 

 

Allgemeine Informationen zum Krankheitsbild:

 

"Ballonfrosch"Nach dem einer meiner Zwergkrallenfrösche an der "Ballonkrankheit" (Hydrops) erkrankte, und ich auf Anhieb keine Behandlungsmethode oder nähere Informationen zu Ursache und Verlauf der Erkrankung finden konnte, habe ich alle Informationen aus der für mich zu findenden Literatur gesammelt, und hier zusammengefasst, um einen möglichst genauen Überblick zu erhalten. Der Name "Ballonfrosch" stammt von Martin Truckenbrodt und ist wie ich finde der treffendste Trivialname. In [1] ist erwähnt, dass es sich um Hydrops handele, dessen Symptome darin bestünde, dass das Tier wie ein mit Wasser gefüllter Luftballon aussehe, und dessen Ursache ein Ausfall der Lymphherzen sei, die normalerweise die Lymphe aus dem Lymphgefäßsystem pumpt.

 

Was ist Lymphe? Die Lymphe ist eine Lymphozytenhaltige Flüssigkeit. (Lymphozyten sind bestimmte weiße Blutkörperchen, die einen Teil des Immunsystems bilden.) Diese klare, leicht gelbliche Gewebsflüssigkeit gelangt durch Filtration aus den Blutkapillaren in die Zellzwischenräume. Von dort wird es durch das Lymphatische System abgeleitet. Lymphe dient einerseits dem Transport von Nährstoffen in die Gewebe und andererseits dem Abtransport von Abfallstoffen oder auch Bakterien und geschädigten oder abgestorbenen Zellen aus dem Gewebe.

 

Was ist das Lymphgefäßsystem? Das Lymphgefäßsystem ist ein aus den Zellzwischenräumen hervorgegangenes System von Kanälen, das die aus den Blutkapillaren in das Gewebe austretende Lymphe sammelt und dem Blutkreislauf wieder zuführt. Überschüssige Flüssigkeiten, Salze etc. die sich im Blutkreislauf befinden, werden über die Nieren und die Harnblase als Urin ausgeschieden. Bei einigen Vogelarten, Reptilien und Amphibien (zu denen auch der Zwergkrallenfrosch zählt) wird durch kontraktile Lymphgefäße, den Lymphherzen, die Flüssigkeit aus dem Lymphgefäßsystem wieder herausgepumpt. Zum Lymphsystem gibt es eine sehr interessante Seite: link. Dort findet man auch, dass ein Verschluss des Lymphgefäßsystems zu Elefantiasis (Lymphödem) führt (dazu weiter unten mehr).

 

Fallen die Lymphherzen aus, so bleibt also die Lymphe im Lymphgefäßsystem und den Lymphsäcken, und sammelt sich dort zunehmend an. Dadurch drückt die Flüssigkeit irgendwann auf die Organe und die Lunge, wodurch das erkrankte Tier dann letztendlich stirbt. In [5] ist beschrieben, dass direkt unter der Haut ausgedehnte Lymphsäcke liegen, und dass die Lymphe (über Lymphherzen angetrieben) in die Venen der Nacken- und Hüftregion strömt. Die durch eine Behinderung des Lymphabflusses hervorgerufene Ansammlung von Lymphe bezeichnet man auch als Wassersucht (deutsche Bezeichnung des griechischen Begriffs Oedema), Lymphödem und Elephantiasis (engl. Lymphatic Filariasis). Mit dieser Grundlage findet man weitere Informationen: In [4] findet man, dass Ödeme bei Larven wie bei adulten Tieren beobachtet werden, und dies meist bei einzelnen Tieren. Bei Ödemen würden drei Formen unterschieden:

 

1.  Generalisierte Ödeme des Tierkörpers

2.  Hydrops vorwiegend bei Larvenstadien

3.  Prall gefüllte Lymphsäcke bei Froschlurchen (Anuren)

 

Die Ursache sei bisher nicht geklärt (jedoch wird das Tadpole-Edema-Virus (Kaulquappen-Ödem-Virus) vermutet) und es gebe keine erfolgversprechende Therapie. Im Roche Lexikon Medizin (4.Auflage) findet man über Hydrops (engl. dropsy): "Krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit (Trans- oder Exsudat) in Körperhöhlen (= H. verus) oder im interstitiellen Raum (Zunahme der Extrazellularflüssigkeit), seltener auch im intrazellulären Raum, als Ausdruck einer Stoffwechselstörung mit Fehlregulation des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes oder einer lokalen Störung der hydrodynamischen, osmotischen u. nervösen Regulationen an der Blut-Gewebs-Schranke (z.B. bei Entzündungen, Allergie); s.a. Ödem."

 

In [8] erfährt man über Aszites und Hydrops: Eine deutliche Erweiterung der Leibeshöhle (des Zöloms) weise auf diese Krankheiten hin und es wird eine Injektion von Furosemid (5mg/kg täglich, verteilt auf zwei Dosen) empfohlen. Bei einer Leberzirrhose kann es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit in der freien Bauchhöhle zwischen den Organen kommen. Dieses "Bauchwasser" wird als Aszites bezeichnet. Zur Behandlung muss eine negative Kochsalz- und Wasserbilanz erreicht werden, d.h., das betroffene Individuum muss mehr Kochsalz und Wasser ausscheiden als ihm zugeführt wird. Sofern die Kochsalzbilanz negativ gehalten wird, geschieht die Wasserausscheidung "von selbst". Das mit der Niere ausgeschiedene Kochsalz nimmt dann das Wasser mit. Wie man dies beim Zwergkrallenfrosch anwenden könnte ist mir leider nicht bekannt. In [9] wird beschrieben, dass Ödeme eher als Nebenerscheinungen verschiedenener Krankheiten wie z.B. bei "Red Leg" beobachtet werden kann. Es gebe Hinweise darauf, dass Ödeme durch einen zu niedrigen NaCl-Gehalt des Wassers zurückzuführen seien. Dies würde dann zu der Aussage passen, dass man die Krankheit mit einer Zugabe von 1 Teelöffel Kochsalz auf 5 Liter Wasser behandeln könne. Bei Ödemen adulter Tiere trete eine Überfüllung der Lymphsäcke auf (s.o.), wodurch der gesamte Körper angeschwollen erscheine. (Dies ist ja die exakte Beschreibung der "Ballonkrankheit"). Es sei möglich, dass nur Einzeltiere betroffen seien und diese dann lange überleben. Eine Medikamentöse Behandlung ist in diesem Werk nicht angegeben (unbekannt), und auch hier wird eine Behandlung durch Punktieren empfohlen. Jedoch wird dort berichtet: "Ödeme bei Larven von Xenopus laevis [einer Krallenfroschart] sind erfolgreich durch einen Zusatz von NaCl zum Wasser beeinflusst worden. [...] Als unterstützende Maßnahme eventuell vorhandene Darmparasiten bekämpfen."  Außerdem wird geschrieben: "Bei Embryonen sind Ödeme in Form eines Hydrops ascites aufgetreten." Zu Aszites (Hydraskos, Bauchwassersucht) (engl. ascites) sind ebenfalls Informationen im Roche Lexikon Medizin (4.Auflage) zu finden: link

 

Elefantiasis (Filariose, Lymphödem) wird durch Mücken in den Tropen übertragen und durch kleine Würmer (Filarien) verursacht. Daher schließe ich diese Form hier aus. Da beim Menschen bei Lymphödemen Drainagen gelegt werden, und eine Punktion der Lymphsäcke diesem am nächsten kommt, ist wohl diese Form der Behandlung am angebrachtesten. Nachfolgend ein paar Stichpunkte zur Punktion:

 

 

Die Behandlung mittels Ringers Lösung:

 

Da das Problem darin besteht, dass die eingelagerte Flüssigkeit wieder nach außen gelangen muss, kann man sich ein einfaches physikalischen Prinzip zu Nutze machen: Den osmotischen Druck. Der Osmotische Druck ist ein lebenswichtiges Prinzip für Fische und Amphibien. Ohne diesen könnten sie nicht überleben. Ein osmotischer Druck kommt immer dann zustande, wenn Flüssigkeiten mit einer unterschiedlichen Ionenkonzentration durch eine halbdurchlässige Membran voneinander getrennt sind. Dabei fließt Wasser von der Seite mit der verdünnteren Lösung (hier normalerweise das Aquarienwasser) auf die Seite mit der konzentrierteren Lösung (hier der Frosch). Man nennt in diesem Fall das Aquarienwasser hypotonisch. Haben Aquarienwasser und das Blut des Frosches die gleiche Ionenkonzentration so nennt man sie isotonisch. Hat das Aquarienwasser eine höhere Ionenkonzentration, als die Körperflüssigkeit des Frosches, so nennt man das Wasser in diesem Fall hypertonisch. Das Wasser würde in diesem Fall aus dem Frosch heraus in das umgebende Wasser diffundieren. (Beispielweise wenn man den Frosch in eine hoch konzentrierte Salzlösung legen würde.) Das würde allerdings tödlich für das Tier enden!

 

Das bedeutet: In normalem Aquarienwasser wird ständig ein osmotischer Druck auf den Frosch ausgeübt, durch den fortwährend Wasser in diesen dringt. Bei der Ballonkrankheit soll aber doch das Gegenteil geschehen. Die eingelagerte Lymphe soll aus dem Frosch wieder abtransportiert werden. Der osmotische Druck erschwert dies. Legt man die Amphibie jedoch in eine isotonische Lösung, dann kann man den Heilungsprozess unterstützen. [Quelle: Kevin M. Wright and Brent R. Whitaker, Amphibian Medicine and Captive Husbandry, Krieger Publishing Company Malabar, Florida, 2001, Seite 318-319]. Optimal ist dabei eine Lösung, die der Ionenzusammensetzung des Froschblutes möglichts gleich ist. Eine solche Lösung ist "Ringers Lösung für Amphibien".

 

Definition: Ringer-Locke-Lösung: Eine stark verdünnte Lösung von Kochsalz (0,8%), Kaliumchlorid (0,02%), Calciumchlorid (0,02%) und Natriumbicarbonat (0,01%), die 1885 von dem englischen Pharmakologen Sidney Ringer (* 1835, † 1910) zuerst hergestellt wurde. Die Konzentration dieser Salze entspricht etwa deren Konzentration im Blutserum, so dass eine Ringer-Lösung als Blutersatz verwendet werden kann. Für Amphibien habe ich mehrere Zusammensetzungen gefunden, die nachfolgend angegeben sind:

 

Ringers Lösung für Amphibien

NaCl

6,5 g

6,6 g

6 g

6,5 g

6,6 g

KCl

0,14 g

0,15 g

0,075 g

0,42 g

1,5 g

CaCl2

0,12 g

0,15 g

0,10 g

0,25 g

1,5 g

NaHCO3

0,20 g

0,10 g

0,10 g

---

0,2 g

H2O (dest.Wasser)

1000 ml

1000 ml

1000 ml

1000 ml

1000 ml

 

Quellenangabe

Quellenangabe

Quellenangabe

Quellenangabe

Quellenangabe

 

Die Salze bekommt man in der Apotheke, das destillierte Wasser in der Drogerie. Während des Bades muss das Wasser belüftet werden! (Membranpumpe) Sollte nach 24h keine Verbesserung eintreten, oder sich zumindest nicht noch mehr Flüssigkeit in den Lymphsäcken angesammelt haben, dann kann man den Partienten für 4 Stunden (keinesfalls länger!) in eine hypertonische Kochsalzlösung (0,8 - 2,5% NaCl) legen. (Danach wieder in die isotoniosche Lösung.)

 

Interessanter Link der Uni-Zürich zum Thema:

Abschnitt 1.12: Elektrolyte, Wasserhaushalt (im pdf-Format)

 

Zeigt dies keinen Erfolg, und ist der Zustand des Frosches so kritisch, dass die eingelagerte Lymphe auf Lunge und innere Organe drückt, so dass es tödlich für den Frosch enden würde, so ist eine Punktion wohl angebracht.

 

Schematischer Aufbau einer ChloridzelleZum Elektrolythaushalt: In [10] steht beschrieben, dass die Haut der Süßwasseramphibien weitgehend wasserdurchlässig, und der Elektrolythaushalt mit aktiven Pumpmechanismen aufrecht erhalten wird. Bei diesen "Pumpen" handelt es sich um sogenannte Chloridzellen. Durch sie ist das Tier in der Lage, Ionen (Elektrolyte) aus dem Wasser aufzunehmen. Die Mikrovilli (der "Bürstensaum") vergrößert die zur Verfügung stehende Oberfläche.

 

 

Die Behandlung mittels Punktion:

 

Zunächst eine wichtige Information vorweg: Nach dem ich die Punktion an dem Zwergkrallenfrosch durchgeführt hatte, erfuhr ich durch Zufall, dass es im Tierschutzgesetz eine Passage gibt, die dies unter Umständen verbietet. Die entsprechende Passage findet man hier.

Bei der Punktion sollte man folgende Dinge beachten:

  1. Zu erst sollte man abwägen ob eine Punktion überhaupt sinnvoll ist. Dabei hilft der nächste Abschnitt.
  2. Man sollte den Frosch frühzeitig punktieren, da mit der Zeit die innren Organe durch den hohen Druck geschädigt werden können.
  3. Man benötigt eine Spritze (3-5ml), eine möglichst dünne Kanüle (Gr. 20, 0.40 x 20 mmBl/LB 27 G x 3/4) und Kaliumpermanganat-Lösung zum Desinfizieren. Außerdem ist es sehr Hilfreich wenn man das Ganze zu zweit macht.
  4. Man legt den Frosch auf den Rücken auf eine möglichst glatte, saubere, nicht saugfähige Unterlage.
  5. Dann legt man die Hand so auf der Arbeitsfläche ab, dass sie möglichst ruhig liegt, und die Spritze so wenig wie möglich zittert. Dann führt man die Kanüle vorsichtig in einen Oberschenkel ein (etwa 1,5 mm) und zieht die Flüssigkeit sehr vorsichtig und in sehr kleinen Schritten ab. Dabei fließt die Flüssigkeit aus dem übrigen Körper in den Oberschenkel, so dass man nur diesen einen Einstich benötigt. das Ganze dauert etwa 10-15 Minuten. Während dieser Zeit sollte jemand den Frosch durch beträufeln mit Wasser feucht halten. Falls der Frosch sich bewegt (was bei mir nicht der Fall war), sollte der Assistent das Tier leicht festhalten. Dabei kann eventuell ein Baumwollhandschuh helfen, durch den man weniger abrutscht.
  6. Ist der Großteil der Flüssigkeit abgesaugt (die Haut hängt jetzt recht schlaff herunter), so wird der Frosch kurz in das Kaliumpermanganat-Bad gelegt, und danach wieder ins Quarantänebecken gesetzt. Es ist wirklich nicht notwendig, dass man mehr als einen Einstich vornimmt.

Der Frosch vor der Punktion.  Die Kanüle wird etwa 1 bi 1,5 mm tief, flach in den Oberschenkel eingeführt.

 

 

Ist eine Punktion überhaupt sinnvoll?

 

Danksagung: Hier möchte ich mich zunächst bei Manfred Beier bedanken, ohne den dieser Abschnitt nicht möglich gewesen wäre.

 

Nach [Kevin M. Wright and Brent R. Whitaker, Amphibian Medicine and Captive Husbandry, Krieger Publishing Company Malabar, Florida, 2001, Seite 242-243]  vermindert eine Hypokalziämie vermutlich die Tätigkeit der Lymphherzen (genauer: die Frequenz und Kraft mit der die Lymphherzen kontrahieren). Unter Hypokalz(i)ämie versteht man einen verminderten Kalziumgehalt des Blutserums, also Kalzium-Mangel. (Das Blutserum ist der flüssige, nach erfolgter Blutgerinnung verbleibende Teil des Blutes.) Die Hypokalziämie führe dadurch zu Ödemen unter der Haut (Hydrops).

 

Was hat das nun mit der Punktion zu tun? Das ist so: Die Lymphe die man dem Frosch entnimmt enthält ebenfalls Kalzium-Ionen (denn die Lymphe dient ja dem Transport von Nährstoffen). Also sollte man die Punktion nur dann durchführen, wenn eine Fütterung mit kalziumhaltigem Futter keine Verbesserung des Zustandes erbringt, und der Frosch gezwungen wäre an der eingelagerten Lymphe (die ja auf Lunge, Luftröhre und Organe drückt) zu ersticken. Dabei ist es allerdings meiner Meinung nach auch nicht sinnvoll, bis zu letzt zu warten, denn dann kann es unter Umständen schon zu spät sein. Im Endstadium erleidet der Frosch innere Verletzungen, und Blutgefäße zerplatzen, so dass man deutliche Rötungen unter der Haut feststellen kann (siehe Foto). Dann ist es eigentlich schon zu spät.

Welche Futterarten sind kalziumhaltig?

 

Regenwürmer enthalten in der Trockensubstanz ca. 60% Rohprotein, 5,5% Rohfett, sind reich an Mineralien, und mit 0,76% ist ihr Gehalt an Kalzium recht hoch (Quelle: http://www.schildifutter.de). Man sollte jedoch keine Regenwürmer vom Kompost nehmen, da diese unangenehm schmecken würden, sondern Regenwürmer aus der Erde oder aus dem Anglerladen. Dort gibt es auch sogenannte Dendrobena-Würmer [Dendrobaena rubida/octaedra] (Infos hierzu bei www.dendrobena.de).

Bei www.schroete.de habe ich für Rinderherz einen Ca-Gehalt von 0,005g pro 100g gefunden. Also nur 0,005 %! Hier war allerdings nicht angegeben ob der Gehalt auf die Trockensubstanz bezogen ist, dies ist jedoch anzunehmen.

 

Eine Ca-Analyse der verschiedenen (Lebend)futterarten konnte ich bisher leider nicht finden. Wenn jemand ein Buch oder eine website zu dem Thema kennt würde ich mich über eine mail sehr freuen. Bisher konnte ich nur herausfinden, dass Schildkröten zum Panzeraufbau ebenfalls dringend Kalzium benötigen, und daher dem Futter häufig Calciumlactat und Calciumcarbonat beigemischt wird. Es wird aber auch ausdrücklich vor einer Überdosierung von Kalzium gewarnt, denn es entziehe dem Körper bei der Ausscheidung Phosphate! Besonders wichtig ist scheinbar auch der Zusammenhang zwischen Kalzium, Phosphor und Vitamin D3! Bisher ist mir aber dieses sehr komplexe Thema aber noch verschlossen geblieben.

 

Eine weitere interessante Aussage in [Kevin M. Wright and Brent R. Whitaker, Amphibian Medicine and Captive Husbandry, Krieger Publishing Company Malabar, Florida, 2001, Seite 318-319] ist, dass aquatile Amphibien eine beachtliche Anstrengung aufwenden müssen um ihren Elektrolythaushalt im Süßwassermedium, welches sie bewohnen im Glecihgewicht zu halten. Da ihre Haut wasserdurchlässig ist, und der Ionentransport ebenfalls über die Haut erfolgen kann, besteht eine große Gefahr, dass bei Verletzungen oder Fehlfunktionen der Haut oder der Nieren der Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Da viele Infektionskrankheiten von Haut, oder Nierenschäden begleitet sind treten dabei häufig auch Wassereinlagerungen als Begleiterscheinungen auf. Grund dafür ist der osmotische Druck.

 

Einschub: Erklärung zum osmotischen Druck: Durch den unterschiedlichen Salzgehalt (unterschiedliche Ionenkonzentrationen) zwischen dem Wasser im Haltungsbecken und den Körperflüssigkeiten innerhab des Frosches entsteht ein osmotisches Druckgefälle. Dabei ist das Wasser aus dem dünneren Medium (das Aquarienwasser) bestrebt in das dichtere Medium (den Frosch) einzudringen, und die Salzgehalte in beiden Medien auszugleichen. Der Frosch würde also so lange aufquellen, bis der osmotische Druck ausgeglichen ist. Der gesunde Zwergkrallenfrosch kann dies durch unentwegte Ausscheidung von Harn ausgleichen. Wie bereits weiter oben (in "Allgemeine Informationen") erwähnt, nimmt dabei die Körperflüssigkeit normalerweise den folgenden Weg ein:

 

 

Ist dieser Weg unterbrochen, so kann folglich kein Flüssigkeitsausgleich mehr erfolgen. Aber auch umgekehrt, kann durch eine defekte Haut der Elektrolythaushalt in Ungleichgewicht geraten. Dies ist der Fall bei Hautverletzungen oder -infektionen.

 

Aber um zum eigentlichen Thema "Ist eine Punktion überhaupt sinnvoll?" zurück zu kommen: Es scheint, dass man durch eine Punktion einen Einfluss auf den Elektrolythaushalt des Tieres ausübt. Daher, und auch aus dem Grund dass man dem Frosch eventuelle Verletzungen der Haut zuführt (er ist ja eine beachtliche Zeit außerhalb des Wassers und muss fixiert werden), oder ihn gar innerlich verletzt, ist meiner Meinung nach eine Punktion erst dann empfehlenswert, wenn eine Zugabe von kalziumhaltigem Futter oder andere Maßnahme keinen Erfolg gebracht haben.

 

 

Mögliche Ursachen und Prävention

 

Als Ursachen kommen nach meinem derzeitigen Kenntnisstand folgende Möglichkeiten in Frage:

 

- Verletzungen der Haut oder der inneren Organe

- Falsche Ernährung

 

Schlechte Hälterungsverhältnisse wei mangelhafte Wasserqualität, Stress durch Fehl- oder Überbesatz fördern natürlich eine Erkrankung, und sollten daher optimal sein. Präventiv sollte man dafür sorgen, dass der Frosch ausgewogen ernährt wird. Der Speisplan sollte nicht nur aus roten Mückenlarven oder gar Futtertabletten bestehen. Die Tiere benötigen ein bestimmtes Verhältnis an Phosphor und Calcium in ihrer Nahrung (Informationen dazu werden momentan noch gesammelt). Manfred Beier hat mich schon darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Verhältnis bei Regenwürmern optimal ist. Sie stellen aus diesem Grund, und auch weil sie sehr viel Kalzium enthalten, ein optimales Futter dar. Außerdem sollte man darauf achten, dass der (Zwerg)krallenfrosch (beispielsweise beim herausfangen) nicht verletzt wird. Die Schleimhaut der Tiere ist äußerst empfindlich, und die Aquarieneinrichtung sollte dementsprechend nicht aus scharfkantigen Dekorationsgegenständen oder sacharfkantigem Kies bestehen.

 

 

Informationen zu Fütterung und Stoffwechsel

 

Bei aquatilen Amphibien (und Fischen) besteht ein interessanter Zusammenhang zwischen Verdauung und Umgebungstemperatur. Außerdem soll hier das Thema Futtertiere und Ersatzfuttermittel angesprochen werden.

 

1. Die Temperatur

Für die Verdauung existiert ein schmaler Tempereaturbereich, den man als optimal für die Verdauung bezeichnen kann. Darunter wird Futter, dass bereits aufgenommen wurde, nicht mehr verarbeitet, und es kommt zu Fäulnisprozessen im Körper! Diese können auch die Darmwand beschädigen und den Frosch durch Gasentwicklung aufgebläht wirken lassen.

 

Nach der Van`t Hoffschen RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeit-Tempeartur-Regel), die häufig bei der Planung von chemischen Umsetzungen genutzt wird, entspricht eine Temperaturerhöhung um 10°C einer Geschwindigkeitssteigerung um das 2- bis 4-Fache. Bei Verdauungsschwierigkeiten kann man also die Temperatur kurzzeitig auf beispielsweise 32°C erhöhen, um die Darmtätigkeit anzuregen.

 

2. Futtertiere und Ersatzfuttermittel

Es sind in [51] u.a. die folgenden Futtertiere für aquatile Froschlurche angegeben:

    Fleischfliegenmaden

    Mückenlarven

    Rote Mückenlarven

    Regenwürmer

    Tubifex

    Enchyträen

    Wasserflöhe

    Gammarus, Wasserasseln

    kleine Fische

Ersatzfuttermittel sind beispielsweise:

    Rinderherz

    Trockenfuttertabletten

    Roswal, Dorswal [Firma Dorswal, Schweiz]

 

 Infobox

Verhältnis zwischen Phosphor und Kalzium in der Nahrung von Amphibien

Das Verhältnis ist sehr wichtig wenn es darum geht Krankheiten vorzubeugen. In [50] ist das Verhältnis bei Reptilien näher beschrieben. Es gilt ein Verhältnis

 

Ca:P   1:1   bis   1:2

 

Fleisch hat beispielweise ein Verhältnis von Ca:P 1:20 bis 1:200 ! Die Folge bei ausschließlicher Verfütterung von beispielweise Rinderherz (1:38) sind Kalziummangelerkrankungen. Man müsste dieses Futter also erst mit Kalzium anreichern (Präparate siehe unten).

 

Ein Zitat aus [10]: "Als eine der häufigsten Erkrankungen der Herpetofauna in Gefangenschaft liegt die Ursache hierfür meist in falscher Fütterung. Die Nahrung enthält dann zu wenig Kalzium oder das Verhältnis von Kalzium und Phosphat* stimmt nicht oder die Versorgung mit Vitamin D lässt zu wünschen übrig."

 

* [Anm.: Häufig wird auch vom Phosphatgehalt anstelle des Phosphorgehaltes gesprochen; Phosphat ist eine -haltige Verbindung.]

Eine Auflistung der verschiedenen Ca:P Verhältnisse in den gängigsten Futtertierarten findet man weiter unten.

 

 

Man kann das Futter beispielsweise mit folgenden Zusatzstoffen aufwerten:

Ca:P Verhältnisse der Futtertiere für aquatile Froschlurche

 

Ca [%]

P [%]

Ca:P (id. 1:1 bis 1:2)

Rote Mückenlarve

0,38

0,90

1 : 2.4

Tubifex

0,19

0,73

1 : 3.8

Regenwurm

1,72

0,90

1.9 : 1

Fruchtfliegenlarve

0,59

2,30

1 : 3.9

Wasserfloh

0,10

1,17

1 : 11.7

Quelle: Nutrition Advisory Group Handbook, Fact Sheet 003, Joni P.Bernard / Mary E.Allen / Duane E.Ullrey, 1997
http://nagonline.net/index.html 

 

Vielen Dank an Manfred Beier der diese Tabelle ermöglicht hat.

Mehr informationen zu den Werten und die Daten anderer Futtertiere gibt es hier: Tabelle 2

 

 

(c) Georg Leithold, 20.05.2002.

Letzte Aktualisierung: 18.07.2002

Bitte schreiben Sie mir, falls Sie selbst Erfahrungen mit dieser Krankheit gemacht haben, oder entsprechende Informationen kennen, die vielleicht noch nicht auf dieser Seite stehen. Ich suche auch noch dringend gute Links zu diesem Thema. Vielen Dank.

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