Auf dieser Seite geht es um die artgerechte Ernährung von Hymenochirus boettgeri und anderen Zwergkrallenfrosch-Arten. Der Zwergkrallenfrosch nimmt sein Futter überwiegend mit Hilfe seiner Seitenlinienorgane wahr. Der Geruchssinn ist wesentlich schlechter ausgeprägt als beim Krallenfrosch. Daher sollte man bei der Fütterung darauf achten dass der Frosch eine ausreichende Futtermenge erhält.

Zwergkrallenfrösche

Ernährung von Zwergkrallenfröschen (Hymenochirus sp.)

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Das Wichtigste direkt am Anfang: Die Zwergkrallenfrösche können verhungern wenn sie im Gesellschaftsaquarium zu wenig Futter abbekommen, aber auch eine Überfütterung kann fatale Folgen haben. Trockenfutter wird normalerweise nicht als Nahrung anerkannt. Wenn man Glück hat nehmen die Frösche auch Futtertabletten (die die man normalerweise an die Scheibe heften kann). Wenn man sich davor scheut Lebendfutter zu verfüttern, dann sollte man die Tiere besser nicht halten, da sie (nach einer durchaus länger anhaltenden Hungerperiode) trotzdem sterben können.

 

Wie spüren Zwergkrallenfrösche ihr Futter auf? Da Zwergkrallenfrösche ein relativ schwach ausgebildetes Sehvermögen besitzen brauchen sie einen zusätzlichen Ortungsapparat: Das Seitenlienienorgan (oder Lateralisorgan). Dieses Organ besteht aus meist linienartig angeordneten Sinneshügeln (Neuromasten), die über Nervenzellen (afferente Neuronen) direkt mit dem Mittelhirn und dem Sehnerv (!) verbunden sind.

 

Mit Hilfe der Seitenlinie (und unter Zuhilfenahme des schwachen Sehvermögens) bringt der Frosch sich in eine optimale Ausrichtung zur Beute. Er reagiert als besonders gurt auf stark gefärbte (z.B. Tubifex oder rote Mückenlarven) und sich bewegende Beutetiere. Aber auch der Geruchssinn ist sehr gut ausgebildet. Er ist wohl dafür verantwortlich, dass die Fröschlein überhaupt erst aus ihren Verstecken kommen, wenn gefüttert wird. Da die Tiere ihre Beute jedoch erst eine Weile taxieren bevor sie das Futter mit ihren Saugmaul aufnehmen, kommen sie in Gesellschaftbecken mit Fischbesatz unter Umständen zu kurz. Der Geruchssinn ist wohl der Grund, dass die Tiere auch (im äußersten Notfall) mit Futtertabletten (für Fleichfresser) gefüttert werden können. Der Geruchssinn (chemische Rezeptoren) reagiert sehr gut auf essentielle Aminosäuren, so dass man bei Zugabe von stark aminosäurehaltigem Futter sofort ein Beutefangverhalten beobachten kann.

 

Was fressen Zwergkrallenfrösche gerne? Vorzugsweise fressen die Tiere (aus obern erwähnten Gründen) lebende oder gefrorene Bachröhrenwürmer oder rote Mückenlarven. Man sollte bei Lebendnahrung diese vor dem Verfüttern einige Zeit wässern (siehe Allgemeine Informationen), und darauf achten nicht zu viele auf einmal zu verfüttern, da dies den Fröschen schaden kann. Im Extremfall kann eine Überfütterung durchaus auch zum Tod der Zwerge führen, da diese scheinbar nicht wissen wann es genug ist. In [1] ist sogar empfohlen die Tiere nur alle zwei Tage zu füttern.

 

Alternativ kann man auch sehr gut junge Daphnia (Wasserflöhe), Bosmiden, Cyclops, Artemia (Salinenkrebschen), Enchytraeen und Tubifex (Bachröhrenwürmer) verfüttern. Lebendig oder als Frostfutter.

 

Es ist äußerst wichtig, dass man die am Boden von belasteten Gewässern lebenden roten Mückenlarven und Tubifex unbedingt nicht sofort aus der Tüte in das Aquarium schüttet, sondern man sollte die Futtertiere vielmehr durch ein Artemiasieb schütten und in einen Behälter mit abgestandenem Leitungswasser überführen und einige Zeit wässern, bis sie sich möglichst vollständig entleert haben. Ein direktes Verfüttern kann die Frösche vergiften, oder nach einiger Zeit krank werden lassen.

 

Rote Mückenlarven

Wasserfloh

Tubifex

Chironomus thummi
(Rote Mückenlarven)

Daphnia pulex
(Wasserfloh)

Tubifex
(Bachröhrenwurm

 

Artemia

Cyclops

Artemia salina
(Salzkrebschen)

Cyclops
(Hüpferling)

 

In Aquaristikhandlungen sehen die Zwergkrallenfrösche oft abgemagert aus. Das liegt zum einen daran, dass die ausschließlichen Fleischfresser (Carnivoren) dort häufig Futtertabletten bekommen, oder in einem Becken mit sehr vielen Fischen gehalten werden, die das Futter wesentlich schneller wahrnehmen, und meist für die Frösche nichts übrig bleibt. In jedem Fall empfiehlt sich eine so abwechslungsreiche fleischliche Ernährung wie möglich. Das heißt nicht jeden Tag rote Mückenlarven, sondern auch mal eine andere Futterart.  Hier für Interessierte noch einmal ein paar Bilder von Chironomus thummi (Rote Mückenlarve), Tubifex und Artemia salina

 

Chironomus thummi

Durchlicht

Daphnia pulex

Auflicht

Tubifex

Detailansicht

 

Wie fressen Zwergkrallenfrösche? Die Zwergkrallenfrösche besitzen wie alle aquatilen Amphibien (das sind Tiere die dauerhaft unter Wasser leben, jedoch auch an Land gehen können) eine sogenannte Hyoidpumpe. Damit können sie mit Hilfe des Kiemenbogenskeletts (Hybranchialapparat) ihre Beute ansaugen. Der Saugeffekt führt zu einem Unterdruck im Mundinnenraum, so dass kleinere Beutetiere direkt eingesaugt werden können. Sehr häufig kann man aber auch ein zusätzliches Nachstopfen mit den vorderen Extermitäten beobachten. Wenn die Beutetiere zuz groß sind, dann werden sie einfach wieder ausgspuckt, da die Zwergkrallenfrösche die Beute mit ihrem Maul kaum zerteilen können. Das Maul kann jedoch sehr fest verschlossen werden, so dass es gelegentlich so aussieht, als ob das Tier ein Stück abbeißt.
Zwergkrallenfösche haben keine Zunge, sondern eine Schleimhautfalte, die sich an dem Festhalten der beute beteiligt. Dies ist jedoch nicht mit der Kraft einer Zunge vergleichbar. Die Schleimhautfalte besitzt jedoch wie eine Zunge auch Geschmackknospen (Mikrovilli).
Die Zwergkrallenfrösche besitzen zwar auch Zähne und eine "Kaumuskulatur", jedoch wird beides nicht zum kauen, sondern nur zum festhalten der Beute verwendet. Das Futter wurd in einem Stück heruntergeschluckt.

 

Tubifex tubifex
Bachröhrenwurm

Tubifex tubifex
Detailansicht

 

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