Da es außer den einschlägigen käuflichen Medikamenten noch viele, z.T. sogar wirksamere, wichtige Therapiemöglichkeiten gibt, sollen diese hier vorgestellt werden.
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Die Wirkungsweise fast aller Aquaristik-Medikamente beruht auf der Tatsache,
dass sie für den Parasiten giftiger sind als für den Wirt. Somit sollte
man die Wassermenge des Aquariums genau berechnen und entsprechend Dosieren.
Eine Überdosierung bewirkt keine schnellere oder zuverlässigere Heilung!
Häufig liegen die Verträglichkeitswerte für Parasit und Wirt
nahe beieinander, so dass auf eine genaue Dosierung zu achten ist. Hinzu kommt,
dass die Wirkungsweise und Verträglichkeit der Präparate mit der Temperatur
und Zusammensetzung des Wasser schwankt.
Ebenso ist eine Unterdosierung unbedingt zu vermeiden, da sonst das Ökosystem
unnötig geschwächt wird, und keine Wirkung auf die Parasiten erreicht
wird. Die Häufige Angabe, man solle doch in einer geringen Dosierung "vorsorglich"
jede Woche etwas von dem Medikament ins Aquarienwasser geben ist unsinnig, da
dies zu resistenten Stämmen führt, die dann auch mit höheren
Dosierungen nicht mehr zu bekämpfen sind.
Viele Parasiten haben zudem ein Temperaturoptimum in dem sie optimal existieren
können. Man kann die Behandlung also durchaus (im Rahmen der Fischverträglichkeit)
auch durch eine Temperaturänderung unterstützen. Bei veränderten
Temperaturen werden die Parasiten oft geschwächt und sind somit besser
angreifbar.
Ob die Temperatur herauf- oder herabgesetzt werden muss, richtet sich in erster
Linie nach dem angewandten Medikament, da dessen Toxizität steigen oder
fallen kann! Daher sind die Temperaturangaben bei den Anleitungen unbedingt
zu beachten.
Einige Behandlungsmethoden sollte man in einem gesonderten Becken durchführen,
um die Bakterienflora in Bodengrund und Filter zu schonen, andere muss man im
Aquarium Anwenden, um die dort befindlichen Parasitenstämme zu bekämpfen.
Außerdem können durch abtöten der Bakterien in Bodengrund und
Filter giftige Stoffe entstehen! Teilwise bewirken die Medikamente auch eine
enorme Bekterienvermehrung und sorgen so für eine Sauerstoffzehrung die
den karnken Fischen alles andere als zuträglich ist. Wenn bei einem Medikament
also steht, man solle das Aquarium während der Behandlung stark belüften,
dann sollte man das unbedingt auch tun.
Allgemein sollte man vor jeder Behandung die Filtermaterialien auswaschen und währen der Behandlung keine Aktivkohlefilter verwenden. Nach der Therapie ist ein Awsserwechsel sehr sinnvoll, um die belastenden Stoffe aus dem Aquarium zu entfernen. Hat man eine UV-Anlage im Einsatz, so ist diese abzuschalten, da UV-Licht viele chemische Verbindungen verändern kann.
Wenn man eine Intensivbehandlung mittel Kurzbad (z.B. in einem Eimer) durchführt, dann muss das Wasser unbedingt die gleiche Temperatur und Zusammensetzung wie das Aquarienwasser haben, da der ohnehin kranke Fisch sonst zusätzlich unnötig stark geschwächt wird.
Ziel der Behandlung ist es, ein Millieu zu schaffen, in dem die Erreger nicht mehr lebens- oder fortpflanzungsfähig sind. Das Anhebend der Temperatur sollte langsam geschehen, und nicht mehr als ca. 1°C pro Stunde betragen. Da nicht alle Fische eine Temperaturerhähung vertragen ist eine chemische Behandlung manchmal durchaus schonender. Die Wärmetherapie kann bei folgenden Erregern angewendet werden:
Parasit |
Temperatur |
Behandlungsdauer |
Costia |
32°C |
4 Tage |
Ichthyophtirius |
30°C |
10 Tage |
Oodinium |
33°C |
24-36 Stunden |
Nach dieser Methode kann der Entwicklungszyklus von Ichthyophtirius unterbrochen werden, so dass die Krankheit sich nicht ausbreiten kann. Die Methode ist allerdings sehr aufwendig und man benötigt fünf Behälter. Alle 12 Stunden werden die Fische in einen neuen Behälter umgesetzt. Der Effekt: Die abgefallenen Zysten entlassen ihre Schwärmer erst, wenn sich die Fische schon im nächsten Becken befinden. Wenn die Fische am sechten Tag wieder in das Aquarium kommen sind die Schwärmer abgestorben. Die Temperatur sollte in allen Behältern 25°C betragen. Nachteil der Methode: Das tägliche Fangen und Umsetzten bedeutet zusätzlichen Stress für die Tiere. Dies ist eine Alternativmethode zur Anwendung von Malachitgrünoxalat.
Diese Methode richtet sich genen Parasiten, die keine beweglichen Schwärmer oder Larven entwickeln.Sie findet vorwiegend bei der Aufzucht von Fischschwärmen Abwendung. In dem Aufzuchtbecken wird 2-5 cm über dem Boden ein rostfreies Gitter angebracht, dessen Maschen für die Fische zu eng sind, Die Eier der Parasiten fallen mit dem Kot der Fische durch die Maschen und können von den Fischen nicht mehr erreciht werden. Die schlüpfenden Larven sterben ab.
Rezept für ein Futter, dass alle wichtigen Vitamine und Spurenelemente
enthält:
Gefrorenes Rinderherz fein auf einen Teller schaben und die halbe Menge feinen
Spinat (tiefgekühlt) dazugeben. Beides ca. 4 cm dick auf dem Teller gleichmäßig
ausbreiten. Dann Vitaminpulver darüberstreuen bis die Oberfläche weißlich
erscheint. Die Gleiche Menge Bierhefepulver (aus dem Reformhaus) hinzugeben
und das Ganze auftauen lassen (etwa 1/4 Stunde). Dann gut durchmischen und verfüttern.
Das Futter darf nicht wieder eingefroren werden, da die Bestandteile ja teilweise
schon einmal eingefroren waren!
Der Vorteil eines Medizinalfutters ist die gezielte Verabreichung, ohne dass
man das ganze Aquarienwasser belasten muss.
Rezept:
Man stellt einen Brei aus 2/3 Rinderherz oder magerem Rindfleich und aus 1/3
Spinat her. (Beides sehr frisch und fein zerkleinert.) Diese Masse kann
in kleinen Portionen zu 50g eingefroren werden. Bei Bedarf gibt man 50ml Wasser
sowie 1g Agar-Agar-Pulver (Apotheke) in eine Blechdose. (Ein Tropfen rote Lebensmittelfarbe
kann das Futter für die Fische eventuell ansprechender machen. Auch etwas
Maggi soll angeblich die Fresslust steigern.) Das Ganze erwärmt man unter
Rühren in einem Wasserbad auf etwa 80°C bis sich das Agar-Agar gelöst
hat, und die Lösung dickflüssig wird. Dann gibt man eine Portion des
Fleischbreies hinzu. Damit die Temperatur nicht zu sehr abfällt, gibt man
die 50g in kleinen Stückchen und nur langsam hinzu. Wenn der ganze Fleischbrei
eingerührt ist nimmt man die Dose aus dem Wasserbad und lässt das
Gemenge langsam abkühlen. Bei etwa 50°C (kurz vor dem Erstarren) gibt
man das Medikament hinzu. Nach der Zugabe sollte man das Gemisch schnell in
den Kühlschrank (nicht ins Gefriefach) stellen, damit das Medikament sich
nicht zersetzt. Das Medizinalfutter kann im Kühlschrank bei 2-5 °C
drei Tage lang aufbewahrt werden.
Im Aquarium bleibt das Futter bis etwa 28°C fest, sollte jedoch nach spätestens
12 Stunden wieder herausgenommen werden, falls es teilweise nicht gefressen
wurde.
Früher wurde KMNO4 als Medikament eingesetzt. Da jedoch die Giftigkeit
für Fisch und Parasit nahe beieinander steht, ist es heute nicht mehr gebräuchlich.
Anders jedoch bei der Verwendung von KMnO4 (aus der Apotheke) zur Desinfektion
von Aquariengegenständen wie Käscher, Thermometer oder das (leere)
Aquarium selbst. Dazu fertigt man eine dunkelviolette Lösung an und belässt
die Gegenstände damit drei Tage in Kontakt. Auch einen Filter kann man
(ohne Filtermaterial) durchlaufen lassen. Hierbei sei jedoch auf die stark oxidative
Wirkung des Kaliumpermanganates hingewiesen, die Metallteile stark in Mitleidenschaft
ziehen kann. Ein Kontakt mit der Haut ist unbedingt zu vermeiden, das sonst
Flecken entstehen, die Tagelang in der Haut bleiben.
Nach der Desinfizierung müssen die Gegenstände grümndlich mit
gespült werden, bis das Wasser ganz klar bleibt.
Auch NaCl kann zur Desinfektion genutzt werden. Dazu löst man 350g Salz in 1 L Wasser. Die Methode ist Ideal um Fangnetzte und Kleinteile zu desinfizieren, da das Hantieren mit KMnO4 nicht so sauber und problemlos ist. Die Gegenstände sollten 24 Stunden in dem Bad bleiben. Da die Lösung nicht verdirbt kann sie ständig in Betrieb bleiben.
Da man sich mit neuen Pflanzen auch neue Krankheitserreger ins Aquarium einschleppen
kann, empfiehlt sich die entkeimung der Pfalnzen mit Alaun (giftig beim Verschlucken!).
Dazu löst man einen gehäuften Teelöffel Alaun in einem Liter
Wasser. In diesem Bad werden die Pflanzen fünf Minuten gebadet.
Nach gründlichem Abspülen mit frischem Wasser können die
Pflanzen eingesetzt werden.